Mustertafeln von verschiedenen Oberflächenbearbeitungen und Farbtönen

Sichtbeton

Farben und Oberflächen

Neben verschiedenen Oberflächenbearbeitungen wie Strahlen, Säuern, Waschen und Schleifen sowie der Verwendung von Strukturmatrizen trägt auch der Einsatz von Farbpigmenten zur Gestaltung der Betonoberflächen bei. Die Farbgebung wird dabei zusätzlich durch den Einsatz farbiger Gesteinskörnung unterstützt.

Sichtbeton glatt

Sichtbeton glatt

Sichtbeton glatt
Bauhausmuseum Weimar
2019

Sichtbeton gestrahlt

Sichtbeton gestrahlt

Sichtbeton gestrahlt
SchwabingerTor N 20 München
2015

Sichtbeton gesäuert

Sichtbeton gesäuert

Sichtbeton gesäuert
Sparkasse Ulm
2015

Sichtbeton gewaschen

Sichtbeton gewaschen

Sichtbeton gewaschen
SchwabingerTor S10 München
2017

Sichtbeton geschliffen

Sichtbeton geschliffen

Sichtbeton geschliffen
Hörsaal Mittweida
2012

Sichtbeton strukturiert

Sichtbeton strukturiert

Sichtbeton strukturiert
OTH Regensburg
2017

Sichtbeton Foto

Sichtbeton Foto


Sichtbetonfassaden

Sichtbetonfassaden

Beton ist einer der interessantesten, modernsten und wichtigsten Baustoffe unserer Zeit. Kein anderes Material ist so formbar und kann zugleich so viele positive Eigenschaften auf sich vereinen. Wegen seiner nahezu unbegrenzten Gestaltbarkeit ist er äußerst beliebt bei Architekten und Bauherren, seine lange Lebensdauer, seine ausgezeichnete Schalldämmung und die hohe Feuerwiderstandsklasse machen ihn weltweit zu einem äußerst beliebten Baumaterial. Seine hohe Wärmespeicherfähigkeit bietet beste Voraussetzungen für energieeffizientes Bauen. Dies wird zukünftig auch große Bedeutung für den sommerlichen Wärmeschutz haben: ohne maschinelle Klimatisierung allein durch die Wärmespeicherfähigkeit begrenzt der Beton die Innenraumtemperatur auf einen angenehmen Wert.

Die vielen Weiterentwicklungen der letzten Jahre haben den Baustoff Beton zum High Tech Produkt werden lassen. Vom „Intelligenten Beton“ ist die Rede: nachhaltig, mit integrierten energetischen Systemen, schlank, intelligent und smart. Technologische Entwicklungen wie selbstverdichtender, ultrahochfester oder lichtdurchlässige Betone sind nur einige Beispiele dafür.

Aktuelle Neubauvorhaben zeigen, dass der Trend zu Sichtbetonfassaden ungebrochen ist. Sichtbeton ist die größte Herausforderung an die moderne Architektur und Bautechnik des 21. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum befremdlichen Wohnungsbau der 60iger und 70iger Jahre hat der Beton in den letzten Jahren eine regelrechte ästhetische Renaissance erfahren. Moderne Architektur ist ohne Sichtbeton nicht mehr vorstellbar. Architektur und Beton sind so eng miteinander verbunden, dass daraus der neue Begriff des Architekturbetons entstanden ist. Verschiedenste Oberflächenbehandlungen, Einfärbungen und Matrizen haben dazu beigetragen, Beton so attraktiv werden zu lassen.

Sichtbetonfertigteile: Definition und Klassen

Bei Sichtbetonfertigteilen handelt es sich um Betonfertigteile die nicht verkleidet werden, also sichtbar bleiben. An diese werden folgerichtig hohe Anforderungen gestellt. So soll Sichtbeton einerseits eine möglich einheitliche, perfekte Oberfläche und Farbe zum Ziel haben, aber auch die Natürlichkeit und Lebendigkeit des Baustoffs Beton bewusst betonen. Für ein optimales Ergebnis ist hier ganz besonders die Zusammenarbeit zwischen Sichtbeton-hersteller, Architekten, Ingenieuren, Betontechnologen und aller am Bau Beteiligte erforderlich. Um die Anforderungen einheitlich bestimmen zu können und Auseinandersetzungen vorzubeugen wurde vom Deutschen Beton- und Bautechnikverein ( BBV ) ein Merkblatt für Sichtbeton erstellt, das die verschiedenen Sichtbetonklassen genau bestimmt. Sichtbeton wird eingeteilt in 4 Klassen, an die unterschiedlich hohe Anforderungen gestellt werden:

  • SB 1 mit geringen gestalterischen Anforderungen bei niedrigen Herstellkosten, z.B. für Kellerwände oder Bereiche mit vorwiegend gewerblicher Nutzung
  • SB 2 mit normalen gestalterischen Anforderungen bei mittleren Herstellkosten, z.B. für Treppenhäuser und Stützwände
  • SB 3 mit hohen gestalterischen Anforderungen bei hohen Herstellkosten, z.B. für Fassaden und
  • SB 4 mit besonders hohen gestalterischen Anforderungen bei sehr hohen Herstellkosten, z.B. für repräsentative Bauteile

Oberflächenbearbeitung bei Sichtbeton

Von einer Oberflächenbearbeitung spricht man, wenn die Betonoberfläche am ausgehärteten Beton mechanisch, thermisch und/oder chemisch bearbeitet wird. Die Gründe, warum Betonoberflächen überhaupt bearbeitet werden, sind vielfältig. So kommt, wie bereits oben ausgeführt, die Farbe der Gesteinskörnung erst durch eine Bearbeitung der Betonoberfläche zur Geltung und die Farbgebung wird insgesamt gleichmäßiger, zudem treten bei bearbeiteten Oberflächen die Ausblühungen in den Hintergrund.

Die verschiedenen Möglichkeiten, Betonoberflächen zu bearbeiten, werden in der DIN 18 500 Betonwerkstein beschrieben. Sie reichen vom Schleifen und Polieren über Waschen, Strahlen und Säuern bis hin zum Spitzen, Stocken oder Scharrieren. Von einer Oberflächenbearbeitung spricht man, wenn die Betonoberfläche am ausgehärteten Beton mechanisch, thermisch und/oder chemisch bearbeitet wird. Eine der gängigsten Bearbeitungsarten ist das Feinwaschen mit Abtragstiefen von 1 bis 2 mm. Die Oberfläche erhält dabei eine sandsteinähnliche Struktur. Bei grobem Auswaschen wird eine Ausfallkörnung verwendet, das Grobkorn wird knapp zur Hälfte freigelegt. Bei gewaschenen Betonoberflächen dominieren immer die Oberflächen der Gesteinskörner und deren Eigenfarbe. Weit weniger Zementhaut wird beim Absäuern entfernt, lediglich die Oberfläche wird dadurch künstlich angeraut. Stärker "angegriffen", ähnlich dem Feinwaschen, wird die Betonoberfläche beim Sandstrahlen. Bei dieser Methode werden auch die Oberflächen der Gesteinskörnung mit aufgeraut und erhalten eine matte Optik. Die genannten Bearbeitungsarten entfernen also mehr oder weniger Zementstein und legen die Oberflächen der Gesteinskörnung frei.

Farbe und Gesteinskörnung

Neben der Oberflächenbearbeitung bietet sich auch Farbe als Gestaltungselement an. Üblicherweise wird mit Weißzement ein sehr heller Beton gemischt, der durch die Zugabe von Pigmenten nach DIN EN 12878 in allen Farbklassen eingefärbt werden kann. Betone aus Grauzementen lassen sich ebenfalls einfärben, wirken aber nicht so klar und leuchtend. Andererseits lassen sich mit üblichen Grauzementen dunklere Betone leichter einfärben. Die Farbstärke ist abhängig von der Dosierung. Die Farbe kann als Pulver oder als Flüssigfarbe zugegeben werden. Die Farbgebung wird zusätzlich durch den Einsatz farbiger Gesteinskörnung unterstützt.

Schalungen und Matrizen

Die Betonoberfläche ist das Spiegelbild der Schalung und übernimmt sämtliche Formen und Abdrücke. Man unterscheidet zwischen saugender und nicht saugender Schallhaut.

Eine saugende Schalhaut ( sägeraue oder gehobelte Brettschalung) ermöglicht den Entzug von Luft und/oder Überschusswasser aus der Betonrandzone, und fördert so die Herstellung von Oberflächen mit wenig Poren sowie eines relativ gleichmäßigen Farbtons der Oberfläche. Eine nicht saugende Schalhaut ( glatte Brettschalung oder Kunststoffschalung) dagegen ermöglicht die Herstellung nahezu glatter Oberflächen. Sie begünstigt aber auch die Entstehung von Poren, Marmorierungen, Wolkenbildungen und Farbtonunterschieden.

Durch das Einlegen von Matrizen (Kautschuk- oder Gummieinlagen) kann jede gewünschte Betonoberfläche hergestellt werden. Die Betonoberfläche wird durch die Matrizen relativ gleichmäßig im Farbton. Lunker, Poren und Marmorierungen treten hier deutlich weniger auf und sind kaum sichtbar.

Oberflächenbehandlung

Die Möglichkeiten einer Oberflächenbehandlung werden ebenfalls in der DIN 18 500 abgehandelt. Heute werden i. d. R. Silane, Siloxane oder Acrylate hierzu eingesetzt. Ziele einer solchen Behandlung können z.B. sein: Anti-Graffiti-Schutz, Hydrophobierung, Schmutz-oder Ölabweisung oder Beschichtung.